Nachdem sowohl das normale Tage- als auch Kurztagebuch in der letzten Zeit ein wenig kurz gekommen ist, muss das wohl mal jemand anderes in die Hand nehmen. Also dacht ich mir flieg ich mal nach Schweden um nach langen Monaten mal wieder meinen langjährigen besten Freund zu besuchen. Daher habe ich nun die Ehre in Katharinas Fußstapfen zu treten (Sind ja nicht all zu groß... *g) und als zweiter Fremdschreiber mich selbst und persönlich ausführlich auf Philipps Seite zu verewigen.
Nachdem ich mich am Donnerstag bereits um 13 Uhr auf den Weg zum ersten von vier Zügen an diesem Tag gemacht habe, kam ich ca. 11 Stunden später gegen 23:45 Uhr in Sundsvall am Hauptbahnhof an. Obwohl es mein erster Flug mit einem kommerziellen Touristenbomber war (Ich war so kurz davor mir im Flieger so einen berüchtigten Tomatensaft zu bestellen *g) hat doch alles sehr gut geklappt, nicht zu letzt weil Philipp mir zum Einen bereits mein Zugticket nach Sundsvall zugeschickt hatte und ich somit nicht noch extra eines besorgen musste und zum Anderen weil er mir mittels einer „Photostory“ meinen Weg vom Flieger zum Zug bestens erklärt hatte. Somit konnte ich bei einer derartig guten Führung ja gar nicht verloren gehen.
Allerdings ist mir doch ziemlich schnell ein großer Irrtum in der allgemeinen Meinung über die Schweden aufgefallen: Auch wenn die McDonalds-Bedienungen noch den gängigen Klischees entsprachen, durfte ich doch recht schnell freudig erkennen das längst nicht alle Schwedinnen blond sind! Philipp sagte mir später dass die Blonden selbst sogar meistens nur gefärbt sind, im Prinzip also weder bei Frauen noch bei Männern große Unterschiede zu Deutschland. Was allerdings ein großer Unterschied ist sind die Verbindungspreise im Mobilfunkbereich - jeder zweite da oben rennt mit dem Handy am Ohr durch die Gegend, was bei Preisen wie 6 Cent pro Telefonat - zeitlich unbegrenzt - nicht weiter verwunderlich ist.
Jedenfalls bin ich super übergekommen, und nachdem Philipp mich am Bahnhof aufgelesen hatte ging’s zu Fuß (ca. 1/2h) zu ihm nach Hause. Hierbei fiel mir die nächste Eigenheit Schwedens auf: Die meistens Autos haben Zusatzscheinwerfer vorm Kühlergrill, und Winterreifen gibt’s da nur mit Spikes. Kann man übrigens auch für Fahrräder und sogar Schuhe kriegen.
Nach einer Guided-Tour durch Philipps WG, kurzem Nachtmahl und natürlich quatschen ging’s dann auch recht bald ins Bett, schließlich war am nächsten Morgen ja schon um 9 Uhr Aufstehen und Uni angesagt.
Die hab ich mir da dann auch mal angeschaut und die beiden Vorlesungen mitgemacht, wobei ich Ulrich und die ersten schwedischen Kommilitonen kennen lernen durfte. Die erste „Vorlesung“, die eigentlich aus zwei Powerpoint-Präsentations-Vorträgen bestand, war ganz interessant, auch weil es für mich die erste Vorlesung auf Englisch war. Anschließen gab’s dann in einer hiesigen Pizzabude Mittagessen: ca. 30cm-Ø Pizza + Krautsalat + 0,33l Getränk für 40 SEK, also ungefähr 4€. Dafür das Essen sonst im Allgemeinen eher teurer ist war es schon ein Schnäppchen! Danach kam dann die nächste Vorlesung, die Gott sei Dank nur knapp eine Stunde gedauert hat, denn sowohl das Thema als auch die Vortragsweise waren doch recht ermüdend. Danach gab’s dann allerdings wieder etwas sehr interessantes zu sehen als ich mit in den Reinraum durfte. Alleine die Ankleideprozedur ist schon ein Erlebnis für sich, und danach fühlt man sich so ein bisschen wie auf einem Mondtrip. Diese Atmosphäre hat dann auch insbesondere die schwedischen Kommilitonen zu kleinen Späßen ermuntert. Wieder draußen war die Sonne längst verschwunden und es ging noch kurz in das Zentrum von Sundsvall, Philipps Fahrrad abholen, und dann zurück nach Hause. Unterwegs noch schnell im ICA eingekauft, einem großen Supermarkt mehr oder weniger vor Philipps Haustür, und einige schwedische Eigenheiten wie Erbsensuppe in Wurstform kennen gelernt. Zuhause durfte ich dann auch die Line kennen lernen, nachdem ich Anna bereits am Vorabend gesehen hatte. Die Caro ist mir allerdings erspart geblieben... *g
Sind aber beide sehr nett, und die Anna verköstigte uns später am Abend sogar noch mit selbst gemachten Kanelbullar, die ich zu meinem größten Erstaunen sogar trotz meiner Zimt-Antipathie mochte. Muss wohl am schwedischen Zimt liegen. Oder der Urlaubsstimmung! *g
Unglücklicherweise waren viele Exchange-Students dieses Wochenende nach Norwegen gefahren, so dass Freitagabend auch keine Party oder so mehr war. Dafür haben wir dann wieder viel gequatscht und die Katharina mit einem Live-Webcam-Feed überrascht, was sie glaub ich doch sehr gefreut hat. Ergebnis der Nacht war die Phil-Cam, die nun auf eben dieser HP zu finden jedem geneigten Zuschauer ein kleinen Einblick in Philipps Zimmer oder auch mal einen Ausblick aus diesem gewährt. Ein langwieriger Spaß bis 4 Uhr morgens.
Darum sind wir dann am nächsten Morgen auch erst gegen 11 Uhr aufgestanden - Samstag, Wochenende. Mussten zuerst zum Bahnhof weil auf meinem Zugticket für die Rückfahrt seltsamer Weise Dienstag stand, obwohl mein Abreisetag ebenso wie der Buchungsbeleg für Montag war. Natürlich war der Bahnhof geschlossen und der weite Weg umsonst (einmal Philipp - Sundsvall Zentrum ca. 20 - 30min zu Fuß). Naja, so ganz überflüssig war es dann doch nicht gewesen, da in der Nähe des Bahnhofes auch das Café Tinneli’s liegt. Hier gab es wieder Kanelbullar (für mich quasi als Frühstück), die wieder einmal vorzüglich gemundet hatten. Prompt stießen noch Anna und Line dazu, welche grade von ihrem Inseltrip vor Sundsvalls Küste wieder kamen. Völlig erschöpft und durchgefroren von den kalten Temperaturen (ca. 4°, aber mit Wind...) mussten sie sich erstmal am Kaffee erwärmen. Philipp und ich wussten allerdings dass uns so etwas erwarten würde und sind daher morgens lieber im Bett geblieben anstelle mitzugehen. Männer können eben doch besser vorausschauend denken - quod erat demonstrandum (Ja, ich hatte Latein - und nie wieder gebraucht! Soviel zum Thema Männer und vorausschauendes Denken… *g)
Zum Wetter ist allerdings anzumerken, dass obwohl wir es schon Ende November hatten und bereits auch schon dick Schnee gelegen hatte, die letzten Tage mit 4 - 6°C äußerst mild waren, was mir einen schwedischen Hardcore-Winter ersparte (Obwohl ich den gerne mal erlebt hätte). Sonntag Nachmittag war es doch tatsächlich 10,5°C warm, wobei die Ankündigung dieser Temperaturen mich bei meiner Reiseplanung ernsthaft überlegen ließen ob ich meine dicken Socken nicht doch lieber zuhause lassen sollte. Und die Eltern kommen dann mit so super Vorschlägen wie lange Unterhose mitnehmen…!
Das interessanteste an diesem Café-Aufenthalt war allerdings, dass ich hier zum ersten Mal richtig schön den Verlauf von Tageslicht (insofern man es so nennen kann) über Dämmerung bis hin zu Nacht beobachten konnte - um halb vier Nachmittags. Und wenn man nicht mehr sehen kann ob es jetzt 4 Uhr morgens oder nachmittags ist verliert man schon recht schnell sein Zeitgefühl, dennoch sehr cool so was mal zu erleben.
Anschließend sind wir dann gemütlich durch die Stadt zurück geschlendert, kurz in einem der in Schweden recht etablierten Second-Hand-Läden reingeschaut, und den obligatorischen ICA-Abendessen-Einkauf getätigt. So gesehen könnte man sogar behaupten wir hätten immer frisches Abendessen gehabt, jedenfalls war es immer frisch gekauft. Diesmal gab es Gyros-Pizza (Nicht Pita, aber trotzdem lecker) während wir mit Katharina telefoniert hatten. Nach dem Abendbrot haben wir Markus, dann Ulrich, dann Andreas und Anders (sprich: Andesch) abgeholt und sind mit Taxi - da es ein weiter und regnerischer Weg war - weiter zu Petter gefahren, wo wir ein paar Stunden getrunken, gequatscht und Fotos geguckt haben. Hab den Fehler begangen und hier auch mein erstes (und letztes) Mal Snus zu probieren, eine Art schwedischer Kautabak, den man sich zwischen Zähne und Lippe schiebt. Allerdings hat man nach kurzer Zeit nur einen echt fiesen, salzigen Geschmack im Mund, so dass ich mich des Tabaks schnell wieder entledigt hatte. Später ging es dann noch zu Fuß in die Stadt ins O’Learys, einer netten Sports-Bar mit Disco im Keller. Hatten sogar gute Musik, so dass wir da bequem bis zum Ende bleiben konnten. Das war auch erst um 3 Uhr gewesen. Erst? Ja, erst! Denn im Allgemeinen ist in Schweden schon um 2 Uhr Sperrstunde. Wenn man sich dann noch die Alkoholpreise anschaut (alles über 5,5% muss man in staatlichen Läden für teuer Geld kaufen, ähnlich wie in Finnland) ist das schon ein Trauerspiel. War aber trotzdem Alles in Allem ein sehr netter Abend gewesen. Und das obwohl ich auf dem Rückweg tierischen Hunger auf Dönertier hatte, war halt nur leider alles längst geschlossen. Dabei haben die Supermärkte da abends bis 22 Uhr auf, sogar sonntags! Herrlich so was! Haben dann direkt im Anschluss noch die Galerie mit den Fotos des Abends aufgefüllt und waren dann irgendwann gegen halb sechs Uhr morgens im Bett.
Das hat dann dazu geführt, dass wir am Sonntag erst gegen 1 Uhr aufgestanden sind. Eigentlich war dann Frühstück bei Markus geplant gewesen, aber da er noch am Schlafen war haben wir das schöne Wetter (ausnahmsweise mal keine Wolken) genutzt um noch schnell zu einem nahe gelegenen See zu gehen (Naja, was man bei den weitläufigen schwedischen Gegenden so als „nahe gelegen“ bezeichnen kann...). Hat sich aber durchaus gelohnt, bei blauem Himmel und Dämmerung (war ja schon gegen 3 Uhr) ein wenig die schöne Herbst/Winter-Atmosphäre an dem See zu erleben, sehr nett. Im Sommer bestimmt ne ziemlich coole Location für „Strand“-Partys, jetzt doch eher für romantische Spaziergänge in trauter Zweisamkeit geeignet (An dieser Stelle liebe Grüße an den eifersüchtigen Markus *g). Auf dem Rückweg noch schnell beim ICA eingekauft und dann doch noch zu Markus, Frühstücken. Da es inzwischen schon wieder 4 Uhr und die Sonne längst untergegangen war, konnte man schon fast behaupten man wär so früh aufgestanden, dass man „noch“ im Dunkeln frühstückt und alle Langschläfersünden waren vergessen. Das Leben kann so einfach sein! Anschließend sind wir noch kurz nach Hause gegangen bevor es um sechs Uhr wieder los ging zum Filmeabend. Hier war nicht viel los gewesen, insgesamt nur ca. 10 Leute, weil viele eben die Tage in Norwegen waren. Und das obwohl es den Blockbuster „Fluch der Karibik 2“ zu sehen gab (Englisch mit schwedischen Untertiteln)! Ursprünglich war ja Butterfly Effect angekündigt, was mir auch besser gefallen hätte, da ich auf der Hinreise im Zug schon „Fluch der Karibik 2“ gesehen hatte. Original versteht sich. Aber gut, so konnte ich ihn eben noch mal auf Englisch genießen. Wobei genießen auch nur relativ war, da das Bild auf 4:3 gedrungen und der Lautsprecher in meiner Ecke ausgefallen war, aber die Black Pearl ist trotzdem untergegangen ;-). Zurück ging es diesmal ausnahmsweise mit dem Bus. Zuhause gab es zu guter Letzt noch einmal etwas Schwedisches zu essen, Pytt I Panna, das sind viele kleine Zwiebel-, Kartoffel- und Fleischwürfel, in der Pfanne angebraten (bzw. aufgewärmt). Einfach und lecker. Genau das richtige für mich! *g
Abends noch mal kurz mit Katharina geskypt, und irgendwann gegen 2 Uhr oder so ins Bett. Mussten am Montag ja schließlich schon gegen 11 Uhr aufstehen (Schon? - Ja, im Vergleich zu 13 Uhr am Sonntag ist das „schon“!), weil Philipp um 13 Uhr eine Vorlesung hatte und mein Zug um 14 Uhr abfuhr.
Bin dann mit Philipp zur Uni gegangen, hab mich von ihm und Ulrich verabschiedet und bin zum Bahnhof gelaufen. Hatte auch Glück mit meinem Zugticket, der falsche Tag ist gar nicht aufgefallen. Am Flughafen hab ich es sogar tatsächlich geschafft alle meine restlichen Kronen bis auf eine Gedenk-Münze in Naturalien (Sprich: Schokolade *g) umzuwandeln. Der Rückflug war dann etwas holpriger als der Hinflug (endlich mal ein bisschen Action *g), und ich war sehr stolz, dass die Leute nach dem Aufsetzen in Köln NICHT geklatscht haben! Der Rest war wie üblich viel Warterei und Rumsitzen. Insbesondere nachdem mein Flug Verspätung hatte, ich daher eine S-Bahn später nehmen musste und im Endeffekt meinen Zug nach Aachen um 4 min verpasst hatte. Mit dem Fußweg vom Bahnhof nach Hause war ich dann erst gegen halb zwei Nachts zuhause - und sechs Stunden später war dann wieder aufstehen angesagt...
Aber ich schreibe hier ja schließlich nicht um mich zu beschweren, und auch wenn mich die - effektiv - vier Tage ca. 180€ gekostet haben war der Kurzurlaub im Großen und Ganzen schon ziemlich cool und hat sich auf alle Fälle gelohnt, wäre sehr gern länger in Schweden geblieben. Schließlich hab ich noch immer nicht die Spanierinnen kennen gelernt! *g
Ich möchte mich jedenfalls an dieser Stelle noch mal ganz herzlich bei Philipp und allen anderen bedanken für die schöne Zeit die ich mit euch allen haben durfte und die nette Gastfreundschaft und Bewirtung (es leben die Kanelbullar! *g). Und wer weiß - vielleicht mach ich ja nächstes Jahr auch ein Praxissemester in Schweden…?
Fazit: Schwedinnen sind nicht alle blond, es liegt auch nicht immer Schnee, Frühstück ist eindeutig angenehmer wenn es SCHON WIEDER dunkel ist anstelle immer noch, und sonntags um 22 Uhr noch einkaufen zu können ist einfach das Non-Plus-Ultra!!!