Das Semester endet zwar erst in etwa zwei Monaten, aber trotzdem gab es gestern schon mal ein Goodbye-Dinner vom internationalen Komitee. Viele werden Schweden aber auch schon deutlich früher verlassen und kommen nicht mehr zurück. Dann heißt es, bis zum 20. Januar warten, bis die neuen Exchange-Students eintreffen.
Gestern Abend gab es aber erst mal ein richtiges Dinner. Gute Kleidung sollte Vorraussetzung sein und die meisten haben sich daran gehalten. Es ist nicht leicht als Exchange-Student gute Kleidung zu haben, aber wenigstens die Schweden trugen Hemden und viele der Mädels auch Kleider oder Röcke. Ich selbst hatte meine gute dunkle Hose und ein Hemd an. Krawatte und Sakko hatte ich nicht. Das war aber glaube ich auch nicht nötig.
Außer des Welcome-Drinks gab es noch eine 3-Gänge-Menü. Der erste Gang war die Vorspeise, die aus einem Toast mit Rentierfleisch und einer Zwiebel-Mayonnaise bestand. Vom Toast war liebevoll die Rinde entfernt worden, was die Menge allerdings deutlich reduzierte. Dazu gab es ein Getränk. Insgesamt waren 4 Getränke eingeschlossen und ich, als Antialkoholiker, habe sogar noch 50 SEK zurückbekommen. Das gesamte Essen hat jeden 110 SEK bzw. 160 SEK gekostet. Etwa die Hälfte wurde vom internationalen Komitee getragen. Aber nun zurück zum Essen. Der Hauptgang bestand aus einem Filet, vermutlich Schwein, etwas Salat und schätzungsweise 10 Kartoffelspalten. Warum nur hatte ich nicht mehr zu Mittag gegessen? Der dritte Gang, bzw. Nachtisch, bestand aus Schokokuchen und Vanilleeis. Zusätzlich gab es noch Kaffee und Tee. Es hat alles wirklich sehr gut geschmeckt, nur etwas wenig war es vielleicht.
Auch ein ausgeprägtes Rahmenprogramm war vorhanden. So wurde zwischen den Gängen das ein oder andere Trinklied gesungen. Es waren Lieder aber auch Trinksprüche aus vielen Nationen vertreten. Also ganz passend zum internationalem Publikum. Außerdem hatte (fast) jeder Mann zur Rechten eine weibliche Abendbegleitung sitzen, mit der z. B. immer zuerst angestoßen werden sollte. Um das ganze Essen interessanter zu machen, hatte jeder Teilnehmer unter seiner Tasse einen kleinen Zettel kleben, der eine Aufgabe enthielt, die er bis zum Ende des Hauptgerichtes erfüllt haben sollte. Meine war es, meine Abendbegleitung Whitney (Sitzordnung war zufällig) nach dem Namen ihrer Großeltern zu fragen. Sie heißen Mary, Ronald und Taylor, falls es wen interessiert. Sie hingegen musste etwas von meinem Teller essen, Markus möglichst viel Schwedisch reden und Ulrich seine Hände in die Luft halten. Andere Aufgaben waren, aber auch möglichst viel zu applaudieren oder eine Rede über das vergangene Semester zu halten.
Ansonsten ist noch ein Teil des Studentenchores aufgetreten. Sie haben wirklich gut gesungen und ich überlege, mir das Weihnachtskonzert im Kårhuset anzuhören. Auch spontane Singeinlagen der Holländer trugen zur Stimmungssteigerung bei und mussten natürlich von uns Deutschen überboten werden. Die Nationalhymne der Amerikaner war richtig schlecht. Da hat man als naiver Europäer die Vorstellung alle Amerikaner können die Nationalhymne singen, aber dem ist wohl nicht so. Das Solo von Whitney war dafür umso besser. Hätte nicht gedacht, dass sie so eine gute Stimme hat.
Die Gesamtstimmung des Abends würde ich als sehr positiv bezeichnen und ich finde es sehr gut, dass so ein Dinner veranstaltet wird. Durch den hohen zusätzlichen Alkoholspiegel und das für jeden zugängliche Mikrofon kam es mir allerdings um zwölf in etwa so vor wie um drei Uhr auf einer Silberhochzeit.